Humor in Japan: Lachen im Land des Lächelns (1)

Written by  Anna Klamroth

Samurai (Quelle: flickr.com, User: Okinawa Soba, cc: by, sa)Eigentlich verbindet unser Lachen uns doch ständig mit anderen Menschen. Vollkommen absurd erscheint uns die Vorstellung, dass es in anderen Ländern einen anderen Humor geben könnte. Worüber lachen die Japaner?

Till Weingärtner ist wissenschaftlicher Mitarbeiter in der FU Berlin im Bereich Japanologie. Er veröffentlicht schon seit mehreren Jahren zum Thema „Humor in Japan“. Dabei stößt er immer wieder auf die gleichen Fragen. Zum Beispiel: haben Japaner überhaupt Humor? Diese Frage scheint angesichts der zahlreichen Komödien und komischen Fernsehsendungen, die in Japan produziert werden, vollkommen aus der Luft gegriffen zu sein.

Dennoch gibt es sogar zahlreiche Japaner, die der Meinung sind, dass es in Japan keinen Humor gibt. „Vieles führen die Japaner auf ihre Samurai-Kultur zurück und die Samurai lachten nur sehr selten“, sagt Till Weingärtner.

Politischer Humor

Aber auch die Süddeutsche Zeitung titelte „Land des humorlosen Lächelns“ und weist auf das Experiment des israelischen Politologen Ofer Feldman hin. Der behauptete, es gebe in Japan keinen politischen Humor und erklärte, er habe seinen Studenten Belohnungen ausgelobt, wenn sie ihm einen politischen Witz erzählen würden. Laut des Artikels scheiterten die japanischen Studenten an dieser Aufgabe. Das führt Feldmann aus den strengen hierarchischen Beziehungen in Japan her. Till Weingärtner findet dagegen immer wieder Formen Monster X Filmszene (Quelle: Shochiku Fuji Company)des politischen Humors in Japan. Auch die Sprechweisen der einzelnen Politiker würden im Fernsehen karikiert. „Vielleicht liegt es an dem ständigen Wechseln der Politiker, dass es so wenige japanische politische Kabarette oder ähnliches gibt“ wirft Till Weingärtner ein. Immerhin haben in den letzten vier Jahren insgesamt sechs Ministerpräsidenten regiert. Wie soll es da Freude machen, jeden einzelnen Politiker aus Japan zu verhöhnen?

2008 startete ein Film mit dem Titel „Monster X strickes back“ (mit Takeshi Kitano),  der mit Karikaturen der internationalen Politikern das Publikum erheiterte. „Monster X strikes back“  schloss an einen Film an, der 1967 erschien und der den Titel trug „Uchu daikaiju girara“ (The X from outer-space).

„Monster X strikes back“ hat folgende Handlung: in der Nähe eines G8- Gipfels schlägt ein Meteor ein und das Weltraummonster Girara steigt aus dem Krater hervor.  Girara fängt wahllos an, alles zu vernichten und die internationalen Politiker müssen nach anfänglichen Fluchtgedanken das Monster stoppen. Diese Versuche sind so hoffnungslos, dass sie den Film ins komödiantische abdriften lassen. Zuletzt muss eine Gottheit aus der Vergangenheit auferstehen und dem Monster entgegentreten.

Trailer zu „Monster X strikes back“

Typischer japanischer Wortwitz

Während wir in Deutschland mit Schriftzeichen unsere Texte verfassen, die uns mitteilen, wie wir die Silben sprechen sollen, existieren bekanntermaßen in Japan (neben den phongrafischen Schriftzeichen) die logographischen Schriftzeichen - also sozusagen Bilder,  die zeigen sollen, was gemeint ist. Selbstverständlich sind die vielen Bildzeichen sehr schwer zu lernen. Darum gibt es immer wieder Versuche, die Bildzeichen abzuschaffen und auch in Japan „unsere“ Schriftzeichen einzusetzen. Vor allem scheiterten solche Versuche, weil unzählige Begriffe im japanischen zwar anders geschrieben werden, aber vollkommen gleich ausgesprochen werden. Ein und dieselbe ausgesprochene Silbe - etwa sun - kann im Japanischen über 30 verschiedene Bedeutungen haben.

Quelle: flickr.com, User: Paul Mannix, cc:byWer heute durch die Straßen Japans geht, wird deshalb nicht selten Szenen erleben, in denen miteinander sprechende Japaner eben nicht nur miteinander sprechen, sondern dabei auch Schriftzeichen auf ihren Handflächen andeuten, weil nur so deutlich wird, welches der über 30 Zeichen gemeint ist, die identisch ausgesprochen werden.

Diese Tatsache hat sicher einen starken Einfluss auf den japanischen Humor. Wenn jedes gesprochene Wort so viele unterschiedliche Bedeutungen haben kann, fordert es natürlich heraus, mit Wortspielen sein Publikum zu erheitern. Darum hat das Wortspiel - die so genannten share - eine viel stärkere Tradition in Japan als bei uns.  Viele Japaner finden allerdings diese Wortspiele, die häufig in einen Gesprächsverlauf eingebunden werden, sehr altmodisch und nennen sie Oyaji gyagu („Altherrenwitz“).

Ein Beispiel für ein solches Wortspiel:

„Konnyaku kon’ya kuu.“

Heute Abend (Kon’ya) esse ich (kuu) Konnyaku-Paste.

Bei solchen Wortspielen wird natürlich auch mit lokalen Dialekten und mit dem Englischen experimentiert. Wir werden solche Wortspiele niemals wirklich ins Deutsche übersetzen können, da nur die Besonderheit der japanischen Sprache sie möglich macht.

In der nächsten Folge soll es um die japanische stand-up-comedy Manzai gehen und um die Filmkomödien, die von den großen Manzai-Künstlern gemacht werden.

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