ICoFF: Herr Stollmann, was meinen Sie mit "Lachen ist immer ein Moment der Öffentlichkeit"?
Stollmann: Freud sagte, dass zum Lachen immer drei Personen gehören: einer, der einen Witz macht, einer der lacht und ein dritter, über den gelacht wird. Das ist bereits eine Keimzelle von Öffentlichkeit. Film ist selber eine klassische Art von Öffentlichkeit, wie sie im 18. Jahrhundert mit Zeitung, Theater und Oper entstanden ist. Ich glaube man kann das von der heutigen "Programm-Öffentlichkeit" unterscheiden. Dazu gehören die neuen Medien, aber auch zum großen Teil das Fernsehen. Während also Kino zu der gemeinsamen Öffentlichkeitserfahrung gehört, wird bei der Programm-Öffentlichkeit der Inhalt individuell ausgewählt, wie z.B. beim Fernsehen.
ICoFF: Warum fällt das Lachen im Kino leichter als alleine vor dem Fernseher?
Stollmann: Wer sich von seinem bequemen Sofa aufmacht, den Weg zum Kino in Kauf nimmt und Eintritt bezahlt, der hat von vorne herein eine Grundspannung und Erwartungshaltung an den Abend. Und allen im Kino geht es so - das verbindet. Im Kino werden erwiesenermaßen auch mehr Witze erkannt. Wenn sich jemand traut über einen Witz zu lachen, dann trauen sich meist auch andere.
ICoFF: Was ist noch besonders am Kino?
Stollmann: Das große Geheimnis, die große Qualität des Kinos ist die Dunkelheit. Es herrscht eine gewisse Anonymität, kommuniziert wird zum Beispiel durch das Lachen. Jemand findet eine Szene komisch und andere setzen ein. Das ist eine Zustimmung. Anders herum, wenn ein Film schlechte Szenen hat und es wird gelacht, dann entsteht eine Heiterkeit gegen den Film. Das ist dann eine Form der Kritik ohne Diskussion und zugegebener Maßen freundlicher, als einfach aus dem Kino gehen.
ICoFF: Sie setzen sich wissenschaftlich mit dem Lachen auseinander. Verliert man dadurch nicht die Leichtigkeit beim Lachen?
Stollmann: Im Gegenteil. Ich merke, dass ich über viel plattere Sachen lachen kann, wenn ich sehe, wie sie funktionieren. Zum Beispiel Mario Barth. Der füllt ganze Fußballstadien mit seinem Programm über Männer und Frauen. Im Feuileton wird dann darüber die Nase gerümpft. Aber das ist Paartherapie für Menschen, die sonst nie zu einem Therapeuten gehen würden und wenn die sich bei einer Show kringelig lachen, dann kommen sie die nächsten sechs Wochen besser mit ihrem Leben zurecht. Loriot hat damals auch schon die Probleme zwischen Männern und Frauen behandelt. Auf eine viel feinere Art natürlich.
ICoFF: Und eine letzte Frage: Kennen Sie einen guten Witz?
Stollmann: (lacht) Ja klar! Kommt ein Häschen in die Bar. Frage der Kellner: "Was darfs sein?" Häschen: "Ein Jägerschnitzel, bitte."
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Manche Leute gehen zum Lachen in den Keller. Wir vom International Comedy Film Festival gehen dafür ins Kino. Comedyfilme machen gemeinsam mehr Spaß als alleine vor dem Fernseher. Neue wissenschaftliche Studien befassen sich mit dem Lachen. Der Kinosaal ist bis zum letzten Platz gefüllt. Die Stimmung ist gespannt, irgendwo knabbert jemand laut Popcorn. Die ersten Minuten des Films wird nur verhalten gekichert, doch mit jedem Gag steigert sich das Publikum bis ins schallende Gelächter. Für solche Phänomene interessiert sich die Lachforschung.